 | Dagmar Leupold |
Geboren 1955 in Niederlahnstein, Studium der Germanistik, Philosophie und Altphilologie in Marburg und Tübingen, Staatsexamen in Germanistik und Philosophie. Graduiertenstudium der Komparatistik an der City University in New York, Promotion (PhD) 1993. Lehraufträge und Dozenturen an den Universitäten Mainz, München, Bamberg und Leipzig. Sommersemester 2002 Liliencron-Poetik-Dozentur an der Christian-Albrecht-Universität Kiel, Herbst 2002 Leitung Manuskriptum LMU, München. Seit 1985 freie Schriftstellerin und Übersetzerin (aus dem Italienischen und Englischen), u.a. Pavese, Del Giudice, Kleinzahler. Zahlreiche publizistische und essayistische Veröffentlichungen in Zeitschriften, Zeitungen, Anthologien. Literarische Veröffentlichungen (ohne Anthologien):| 1988 | Wie Treibholz, Gedichte, Pfaffenweiler Presse, | | 1992 | Edmond: Geschichte einer Sehnsucht, Roman, S. Fischer (2002: C.H. Beck) | | 1994 | Die Lust der Frauen auf Seite 13, Gedichte, S. Fischer | | 1995 | Federgewicht, Roman, S. Fischer | | 1996 | Destillate (Kurzprosa und Lyrik), S. Fischer | | 1999 | Ende der Saison, Roman, S. Fischer | | 2001 | Byrons Feldbett, Gedichte, S. Fischer | | 2002 | Eden Plaza, Roman, C.H.Beck |
Auszeichnungen: | Aspekte Preis für das beste Prosadebut (Edmond. Geschichte einer Sehnsucht)
|  | Bayerischer Literaturförderpreis
|  | Montblanc Preis für kurze Geschichten
|  | Martha-Saalfeld-Förderpreis |
Leseprobe:Ich ging über den Veloursteppich zum Gerät, als ich es ausschaltete knisterte es wie eine Wunderkerze. Nichts, was hinter den schweren, beschichteten Vorhängen, den doppelt isolierten Scheiben, dem strömenden Regen geschah, ließ sich mehr in das Zimmer übersetzen. Ich stürzte zurück ins Bett, auf Deine Seite. Da lag ich dann, mein Becken in Deinen Händen, die Beine geöffnet, Deine Zunge, Finger, Lippen zu Besuch. Du hobst den Kopf und berichtetest gewissenhaft von Deinen Entdeckungen, ein Forscher, der erste Ergebnisse festhält: Du hast innen eine Gänsehaut, es gibt da eine Art kleines Archipel, und an der Oberfläche rillt es sich. Wie Meeresgrund in der Strömung. (...)
Dann spürte ich meine rechte Hand; sie lag auf Deiner Schulter, ganz entspannt, wie eine Katze, die sich auskennt. (...)
Wie genau Deine Schulter meine Hand ausfüllte, ein euphorisches Anpassen und Maßnehmen, Zusammenfügen. Der Film rief nun rückwärts, die Trümmer des Wasserturms vernähten sich wieder zur Vertikalen in einem stummen Tanz, dessen letzte Figur - das aufrechte Stehen, das Erwarten des Applauses, des Jubels - mich mitriss, den Jubel verlängerte bis an Dein Ohr. Leise. Leise, leise. Zurück zur Seite Literaturgelangen Sie hier!
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