Bewerbungsschluss 19.4.19 »

Teilnahmevoraussetzungen und Bewerbungsunterlagen:

Skizzieren Sie das Handlungsgerüst einer Kurzgeschichte, Novelle oder eines Romans so ausführlich wie möglich. Berücksichtigen Sie dabei bitte auch die Figuren angemessen.
Max. Teilnehmer: 12

Komplot(t) – Wie begeht ein Autor den perfekten Plot?

Geschichten zu erzählen ist ein menschliches Grundbedürfnis. Doch als Bestandteil des literarischen Gelingens wird diese Fertigkeit oft unterschätzt. In unserem Kurs wollen wir auf die Architektur der Handlung eingehen, auf Statik, Ökonomie und Räumlichkeit des Plots. Und auf die wichtige Wechselwirkung zwischen der Entwicklung der Handlung und der Figuren. Auch werden wir über die Scharniere der Dramaturgie reflektieren, die Kulminationspunkte, die Kunst des Anfangs und des Endes. Denn wer eine Geschichte zu erzählen vermag...

Ilija Trojanow

Schriftsteller, Übersetzer, Verleger | 1965 in Bulgarien geboren | 1971 Flucht mit den Eltern nach Deutschland | 1972 Umzug nach Kenia | 1972 - 1984 Leben in Nairobi – mit dreijähriger Unterbrechung in Deutschland (1977 - 1981) | 1984 – 1989 Studium von »Jura, Ethnologie und Havarie« an der LMU München. 1989 Gründung des Marino Verlags, mit Spezialisierung auf afrikanische Literatur. Anfang der neunziger Jahre Reisen durch Afrika | 1996 erster Roman »Die Welt ist groß und Rettung lauert überall" (Carl Hanser) | 1998 Übersiedelung nach Bombay. Journalistische Tätigkeit (Reportagen und Essays u.a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und die Neue Zürcher Zeitung) | 2001 dreimonatiger Fußmarsch durch Tansania auf den Spuren des englischen Entdeckers und Orientalisten Sir Richard Francis Burton (1821 - 1890) | 2006 Veröffentlichung des Romans über Burton »Der Weltensammler«, der den Preis der Leipziger Buchmesse gewann, und monatelang auf den Bestsellerlisten in Deutschland, Schweiz und Österreich stand | Mai 2007 Reportagenband »Nomade auf vier Kontinenten«, Herbst 2007 der Essay »Kampfabsage« zusammen mit dem indischen Publizisten Ranjit Hoskoté geschrieben.

Auszeichungen

Bertelsmann-Literaturpreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1995 | Marburger Literaturpreis 1996 |  Adalbert-von-Chamisso-Preis 2000 | Berliner Literaturpreis 2007 | Mainzer Stadtschreiberpreis 2007  Seine Bücher wurden ins Arabische, Bulgarische, Chinesische, Englische, Französische, Holländische, Italienische, Katalanische, Koreanische, Polnische, Russische, Spanische, Tschechische und Türkische übersetzt.

Aus: Ilija Trojanow
Die Welt ist groß und Rettung lauert überall
Carl Hanser Verlag, München 1996

VOR VIELEN VIELEN WÜRFELWÜRFEN gab es ein tägliches Ereignis in der heimlichen Hauptstadt der Spieler, einer Stadt, die sich so in den Bergen versteckt hielt, dass kein Steuereintreiber sie kannte und selbst die Geographen von Sultanen, Zaren und Generalsekretären sie nicht auf ihren gierigen Karten verzeichneten; in den Bergen, die Balkan heißen. Dieses Ereignis, zuverlässig wie Kirchenglocken, nahm seinen Ausgang vor einer Bank.  Zumindest schrieb die Fassade oberhalb des Portals BANKA, und es führte auch eine breite Treppe in den Schatten hinauf, aber seit Erfindung des Würfels war keiner mehr in diese BANKA hineingegangen. Noch nie hatte die Treppe wochentäglich Kunden hinaufgetragen und wieder hinabgeführt, zu Stoßzeiten stöhnend ihre Arbeit erledigt, in der Mittagspause sich aufplusternd abgestaubt, um jegliche Vertraulichkeit mit der Straße von sich zu weisen. Es gab keine Kunden, die mit Lust oder Bange die Bank betraten, keine eifrige Gedanken, die sich um eine Reihe bunter Zettel scharten, nicht die routinierten Blicke von Angestellten und nicht die Portionen Illusion, die aus dickhäutigen Behältern herausgenommen, flink abgezählt und nebensächlich über den Schalter geschoben werden.

Was es drinnen gab, wussten die Männer, die tagtäglich vor dem Gebäude warteten, nicht – was immer es war, es wurde nicht benötigt. Aber wer heraustrat, war allseits bekannt: Bai Dan.